Auf ein Neues: Ein Wiedersehen mit guten Bekannten und eine Reise an die deutsch-dänische Grenze

Die letzten Monate des Jahres 2023 und der Jahresbeginn 2024 standen durchweg unter dem Motto „auf ein Neues“.

„Auf ein Neues“ zum einen gemeint als Wiedersehen. So durfte ich ein weiteres Mal Schreibworkshops für die Studierenden der Pädagogischen Hochschule Heidelberg anbieten. Beim ersten Teil im Dezember ging es darum, ins Schreiben zu kommen und den Schreibfluss aufrechtzuerhalten. Der zweite Teil im Januar nahm Textüberarbeitung und Textfeedback in den Blick. Ziel beider Workshops war es, Schwung in die Ausarbeitung von Bachelor- und Master-Arbeiten zu bringen – und damit den Studienabschluss in greifbare Nähe rücken zu lassen. Sehr viel Spaß gemacht haben mir auch zahlreiche weitere Workshops für und mit Promovierenden, erneut u.a. für die Filmhochschule KONRAD WOLF in Potsdam-Babelsberg und für die Stiftung der deutschen Wirtschaft (sdw).

„Auf ein Neues“ zum anderen, weil ich im neuen Jahr dann erstmals zu Gast an der Europa-Universität Flensburg war. Auch hier war es eine äußerst engagierte und interessierte Gruppe von Doktorand:innen aus verschiedensten Fächern, die das Arbeiten bereichert und getragen hat. Ein Workshop, der so inspirierend war wie die Reise ganz aus dem Süden der Republik in den hohen Norden. Schön war es bei Euch an der Flensburger Förde!

Das Wort "Update" steht symbolisch für Schreibworkshops, die unter dem Motto "auf ein Neues" standen

Projekte planen und vorstellen: Zwei Workshops zum Schreiben von Dissertationsexposés

Exposés sind ein ganz eigenes Genre im Wissenschaftsbetrieb. Einerseits richten sie sich nach außen und legen den Betreuenden von Forschungsprojekten oder möglichen Finanzgeber:innen dar, was im Projekt genau passieren und welches Ergebnis am Ende stehen soll. Sie sind dann Versprechen und Vereinbarung in einem. Andererseits adressieren sich Forschende mit ihren Exposés aber auch selbst. Sie dienen ihnen dazu, sich über ihre Forschungsfragen und -ziele, über zu Grunde liegende Methoden und Theorien sowie über Arbeitsplanung und Forschungsdesign Klarheit zu verschaffen. Exposés werden so auch zum Fundament und zur Basis größerer Forschungsvorhaben. Vor allem aber steckt im Genre Exposé auch ein gewisser Widerspruch. Obwohl man mit dem Projekt noch gar nicht begonnen hat, soll man schon jetzt minutiös darüber Auskunft geben. Gerade das ist es auch, was das Schreiben von Exposés zur Herausforderung macht.

In zwei Workshops zum Schreiben von Dissertationsexposés haben wir uns intensiv mit diesen verschiedenen Facetten von Exposés beschäftigt. Vor allem aber ging es darum, in individuellen Arbeitsphasen Materialsteinbrüche für das eigene Exposé anzulegen. Die Teilnehmer:innen bekamen so entscheidende inhaltliche Impulse, die zum Vertiefen und Weiterarbeiten angeregt haben – auf dass sie bald ein überzeugendes Exposé in Händen halten, das auf die Leser:innenschaft, genauso aber auch auf ihre eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Ein Forscher mit einem Fernrohr steht symbolisch für den Workshop Schreiben von Dissertationsexposés

Forschen und Schreiben mit KI

Mit diesem Workshop war ich letzte Woche zwei Tage am Fraunhofer-Zentrum IMW in Leipzig zu Gast. Unser gemeinsames Arbeiten, Ausprobieren und Diskutieren kreiste dabei vor allem um vier inhaltliche Schwerpunkte.

Wie funktionieren KI und Large Language Models überhaupt? Und was bedeutet das für unseren Blick auf die Ergebnisse, die entsprechende Tools liefern?

Welche Möglichkeiten bietet das aktuelle ChatGPT? Wie prompte ich richtig, um möglichst gute Ergebnisse zu bekommen? Welche Potentiale stecken für Forschung und Schreiben in ChatGPT 4 mit der multimodalen Verknüpfung von Language Processing, Bildgenerierung (DALL-E), Analysetools und integrierter Upload-Funktion? Wann bietet sich im wissenschaftlichen Bereich der Rückgriff auf Plugins an?

Was haben unterschiedliche KI-Werkzeuge wie ResearchRabbit, Connected Papers, Elicit, Scispace, DeepL write, QuillBot oder PDF-Auswertungstools für die verschiedenen Phasen des Forschungs- und Schreibprozesses zu bieten? Welche Potentiale haben diese Tools? Wo sind aber auch Grenzen? Und wie kann ich KI-Tools reflektiert und selbstbestimmt einsetzen?

In welcher Form können und sollten wir als Forschende und wissenschaftlich Schreibende KI diskutieren? Welche wissenschaftsethischen und rechtlichen Fragen stehen im Raum? Mit welchen methodischen Problemen sind wir konfrontiert (Biases, Mainstreaming-Probleme, Verlässlichkeit und Nachvollziehbarkeit KI-generierter Ergebnisse, Einbindung der Tools in Workflows)?

Es waren zwei spannende, diskussionsfreudige und inspirierende Workshoptage! Vielen Dank an die Doktorand:innen und Postdocs des Fraunhofer-Zentrums IMW: Euer Engagement, Eure Neugier und Eure Impulse haben den Workshop zu etwas ganz Besonderem gemacht!

Vier kleine Roboter illustrieren symbolisch den Workshop Forschen und Schreiben mit KI

Kunst inspiriert zum Schreiben: Ein neues Workshop-Format ist an den Start gegangen

Ein anderer, freier und ungezwungener Zugang zur Kunst war es, der bei diesem einwöchigen VHS-Workshop im Rahmen des Münchner Kunstsommers im Vordergrund stand. Sich mit Kunst schreibend zu beschäftigen, dabei aber ganz der eigenen Intuition zu vertrauen; Schreibwerkzeuge kennenzulernen und auszuprobieren, die das kreative Potential in uns allen anregen und in Schwung bringen; statt trockener Bildbeschreibungen und historischer Einordnungen lebendige, spannende, witzige, immer aber auch einsichtsvolle Texte zu entwickeln – so lässt sich vielleicht am besten das Experiment und Abenteuer zusammenfassen, auf das sich die Teilnehmer:innen mit großer Begeisterung, ganz viel Verve, Offenheit und Spaß an der Sache eingelassen haben.

Über die Tage hinweg entstanden kleine Gedichte, Kurzgeschichten und Erzählungen, Autobiographisches, Spannendes und Satirisches, fiktive Briefwechsel und kunstvolle Textcollagen. Sie alle fügten sich zu einem regelrechten Kompendium Münchner Kunstgeschichte(n) von Erasmus Grasser über Carl Spitzweg, Gabriele Münter, Maria Luiko und Rupprecht Geiger bis hin zur Street Art im Schlachthofviertel. Persönlich, überraschend, nah an der Kunst und voller Leben!

Ein Farbklecks steht symbolisch für den Workshop Sich Kunst erschreiben

Das Storyboard der Dissertation: Ein mehrtägiger Schreibworkshop für Promovierende der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Ähnlich wie bei den Credits am Ende eines guten Films ging es auch bei diesem ausführlichen Workshop-Format um nahezu alles, was bei Dissertationen eine Rolle spielt: um Schreibprozesse und Schreibtypen, um autor:innenbasiertes Schreibdenken und leser:innenorientiertes Überarbeiten, um die frühe und selbstbewusste Verbindung von Lesen und Schreiben und um die Kraft, die in gutem, konstruktivem Feedback und unterschiedlichen Feedback-Methoden steckt.

Besonders interessant und augenöffnend war darüber hinaus ein Workshopteil zur Psychologie des Schreibens. Dabei haben sich die Workshop-Teilnehmer:innen individuell auf die Suche gemacht nach allem, was das eigene Schreiben beflügelt und anfeuert, aber auch nach Hindernissen, die den Weg kreuzen und sich manchmal zu regelrechten Blockaden auswachsen können. Gemeinsam haben wir uns danach Strategien und Werkzeuge angeschaut, wie sich diese Hindernisse möglichst leicht aus dem Weg räumen lassen – nicht zuletzt auch mit einer Reihe kreativer Schreibmethoden, die den Schreibfluss wieder ganz schnell in Gang setzen.

Eine Filmkamera steht für den Schreibworkshop für Promovierende an der Babelsberger Filmhochschule

Ein Wiedersehen – diesmal virtuell in Meißen

Es war eine wunderbare Erfahrung, die Arbeit der Doktorand:innen des BMBF-Verbundprojekts „PraxisdigitaliS – Praxis digital gestalten in Sachsen“ regelmäßig mit Schreibworkshops zu begleiten. Anfang August war es wieder so weit: Während die Gruppe zu einem mehrtägigen Schreibretreat im altehrwürdigen Klosterhof Meißen zusammenkam, durfte ich mich erneut via ZOOM aus München zuschalten.

Diesmal ging es vor allem ums Fertigwerden und um das Thema Motivation. Wie lassen sich, gerade während der fordernden Endphase von Dissertationsprojekten, tragfähige, alltagstaugliche und menschliche Arbeitspläne stricken? Welche kreativen Schreibmethoden gibt es, um so genannten Schreibblockaden zu begegnen, falls sie sich doch mal einstellen sollten? Und wie kann ich jetzt schon Pläne für die Zeit nach der Dissertation schmieden, die das Arbeiten ein weiteres Mal so richtig in Fahrt bringen?

Es ging also vor allem um Mittel und Wege, Spaß und Freude am Tun auch unter großer Arbeitsbelastung aufrechtzuerhalten. Spaß gemacht hat auch der gesamte Workshop, der sicher für alle ein nochmaliger Motivationsbooster war.

Ball spielende Menschen stehen für das Thema Motivation, das in diesem Workshop für Doktorandinnen und Doktoranden im Vordergrund stand.

Orte inspirieren zum Schreiben: die „Stadtschreiberei“

Die „Stadtschreiberei“, mein neues Kursformat zum kreativen Schreiben, ist bei der Münchner Volkshochschule an den Start gegangen. Schon Mitte Mai haben wir uns zum ersten Mal im Gasteig HP8 getroffen und gemeinsam erste kreative Schreibtechniken ausprobiert, vor allem aber auch ausgekundschaftet, wo in der Stadt wir uns zum Schreiben treffen wollen.

Schnell haben wir festgestellt: München ist reich an Lieblingsorten, die Qual der Wahl war also groß. Am Ende stand fest: Wir werden im Rosengarten an der Isar, im Olympiapark und mitten im Trubel des Viktualienmarkts schreiben. Ausprobieren werden wir dabei verschiedenste Schreibwerkzeuge – vom Clustern über das automatische Schreiben bis hin zu Perspektivwechseln. Entstehen werden Gedichte, Essays, Reportagen, Kurzgeschichten und vielleicht sogar ein Kurzkrimi. Spannung und kreative Entdeckungsreisen sind jedenfalls vorprogrammiert!

Die Silhouette einer Stadt steht symbolisch für das kreative Schreiben im Workshop "Stadtschreiberei"

Schreibworkshop an der Hochschule Harz

„Volldampf voraus“: Dieses Motto passte gleich doppelt zu meinem Schreibworkshop im Rahmen der Nachwuchswissenschaflter:innenkonferenz (NWK) an der Hochschule Harz in Wernigerode.

Zum einen, weil es mein erster Einsatzort als Schreibtrainer war, den ich mit der Dampflok ansteuern konnte – die Hochschule Harz ist nämlich die einzige Bildungseinrichtung in Deutschland, die über einen eigenen, von den Dampfzügen der Harzquerbahn angesteuerten Bahnhof verfügt.

Und zum anderen haben wir in einem dreistündigen Crashkurs zahlreiche Themen rund ums wissenschaftliche Schreiben angeschnitten und jede Menge Schreibwerkzeuge bei hohem Schreibtempo individuell ausprobiert. Hier war es das Schreiben der Teilnehmer:innen, das angefeuert und in Bewegung gesetzt wurde.

Schreiben mit Blick auf den Großen Plöner See: Ein Workshop für Forschende aus den Bereichen Verkehrsplanung und Logistik

Es war wieder ein Erlebnis: gemeinsames Arbeiten und Schreiben an einem wunderschönen Ort, mit Blick auf See und Garten, konzentriert, motivierend und anregend! Einen ganzen Tag lang ging es in diesem Workshop für Verkehrsplaner:innen und Logistiker:innen um alle Themen, die die Logistik des Schreibens betreffen: Schreibprozess, Arbeits- und Zeitplanung, Wege zum Rohtext und zum abgabereifen Endprodukt, das allen Regeln und Ansprüchen des wissenschaftlichen Schreibens genügt. Am Ende konnten alle auf eine eintägige Schreibreise zurückblicken, die die zentralen Stationen wissenschaftlichen Schreibens miteinander verknüpfte. Damit das große Ziel, die verschiedenen Schreibprojekte abzuschließen, planmäßig in greifbare Nähe rückt.

Das Bild einer Straßenbahn steht symbolisch für einen strukturierten Schreibprozess, der auf das Ziel der Fertigstellung eines Textes ausgerichtet ist.

Und wieder virtuell in Zingst: Ein zweiter Schreibworkshop für das Verbundprojekt PraxisdigitaliS

Anfang September letzten Jahres haben wir uns zum ersten Mal getroffen: die Promovierenden des Verbundprojekts PraxisdigitaliS, die sich zum einem Schreibretreat in Zingst eingefunden hatten, und ich, per Video zugeschaltet. Ein Rundumschlag zu den wichtigsten Themen des wissenschaftlichen Schreibens stand damals auf dem Programm.

Und nun: ein Vertiefungsworkshop nur zum Thema Überarbeiten. Angeschaut haben wir uns dabei, dass das Überarbeiten einen wesentlichen Teil des Schreibprozesses ausmacht – als eigenständige, lange und intensive Phase. Eine Phase aber, die alles andere als langweilig, schmerzhaft oder voller Hürden sein muss – geht es doch darum, die eigenen Rohtexte neu zu entdecken, sie Schritt für Schritt zu verbessern und dabei virtuos eine Vielzahl an Werkzeugen einzusetzen. Einige davon haben wir im Workshop gemeinsam ausprobiert. Dazu gehörten beispielsweise Leser:innen-Porträts, Mission Statements und auf die Textstruktur abzielende Perspektivwechsel. Vorgenommen haben wir uns aber auch ein so schönes Tool wie das Rewrite by Ear, bei dem es dann mal so richtig laut werden und die Stille des konzentrierten Schreibretreats durchbrochen werden durfte.

Mit dem Thema „Gutes und wertschätzendes Feedback“ haben wir uns schließlich ein weiteres unverzichtbares Instrument für ideenreiches und schwungvolles Überarbeiten angeschaut. Und sicher auch die Grundlage gelegt für die eine oder andere Feedback-Gruppe im Verbundprojekt der TU Dresden und der Universität Leipzig. Ein Wiedersehen, das Spaß gemacht hat!

Eine eifrig schreibende Person steht für das Arbeiten im Schreibworkshop und Schreibretreat
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