Mensch-Maschine-Interaktion: Wer schreiben kann, profitiert am stärksten von KI

Auch das Jahr 2026 hat mit einer inzwischen schon guten alten Tradition begonnen: den beiden Workshops „Ins Schreiben kommen und im Schreiben bleiben“ und „Die Dissertation überarbeiten und fertigstellen“ für die Promotionsstipendiat:innen der Stiftung der deutschen Wirtschaft (sdw).

Es sind sehr viele Dinge, die ich an diesem Kursformat schätze und auf die ich mich Jahr für Jahr wieder freue. Dazu gehört die Interdisziplinarität der Gruppe: Von Naturwissenschaftler:innen über Mediziner:innen und Jurist:innen bis hin zu Geistes- und Sozialwissenschaftler:innen sind beinahe alle Fachbereiche vertreten. Das macht nicht nur mein Arbeiten mit der Gruppe, sondern auch den Austausch der Stipendiat:innen untereinander besonders spannend. Immer wieder stellen wir fest, wie sehr Teilnehmende gerade auch über Fachgrenzen hinweg voneinander profitieren können.

Etwas ganz Besonderes an diesen Kursen ist aber auch die leider noch sehr seltene Chance, die Beschäftigung mit klassischen Schreib- und Überarbeitungswerkzeugen auf der einen mit Überlegungen zu einer sinnvollen KI-Unterstützung auf der anderen Seite verbinden zu können. Viel zu oft wird nämlich nach wie vor noch das „Entweder – Oder“ gesehen: Entweder ein Workshop zum Schreiben und Überarbeiten oder ein Workshop zum KI-Einsatz.

Die sdw-Workshops machen aber eines sehr deutlich: Die Vertrautheit mit klassischen Schreibtechniken einerseits und mit den Möglichkeiten der KI andererseits gehören zwingend und untrennbar zusammen. Letztlich nämlich kann eine KI nur dann sinnvoll, selbstbewusst und kritisch eingesetzt werden, wenn in einem ersten Schritt grundlegende Schreib- und Überarbeitungstechniken beherrscht werden. Das Wissen darüber kann dann nämlich in entsprechende Prompts umgesetzt werden oder die Auswertung der KI-Ergebnisse leiten.

Das führt einerseits zu einem viel effizienteren KI-Einsatz. Andererseits erwächst daraus aber auch erst wirkliche AI-Leadership. KI wird von professionell handelnden Autor:innen und Forschenden bewusst eingesetzt und gesteuert. KI-Ergebnisse werden nicht einfach nur hingenommen oder sogar übernommen, sondern produktiv genutzt und differenziert ausgewertet. Erst so kann KI dann auch ihr ganzes Potential für ein qualitativ hochwertiges Forschen und Schreiben entfalten.

Ein Mensch, dessen Körper wie ein Mikrochip aussieht, symbolisiert das Konzept der Mensch-Maschine-Interaktion im Workshop "KI und Schreiben"

Manches Neue und jede Menge Klassisches im Herbst

Spannend waren sie wieder, die letzten Monate. Zum ersten Mal nämlich gingen meine Vertiefer-Workshops zum Thema „Forschen und Schreiben mit KI“ an den Start – u.a. für die Jade Hochschule Wilhelmshaven und für den Graduate Studies Support der Charité Universitätsmedizin Berlin. Und das bedeutete: Endlich mal Zeit für hochinteressante KI-Funktionen, die in den vielen Grundlagenworkshops zum Thema bisher eher eine Randrolle spielen. Ausführlich ausprobiert haben wir so zum Beispiel die so genannten canvas-Modes, die das Arbeiten mit Sprachmodellen eine ganze Ecke kollaborativer machen.

Das von mir gerne als „Kino-Effekt“ bezeichnete Problem, dass die KI uns etwas vorsetzt, was wir dann ohne Eingriffsmöglichkeiten akzeptieren oder ignorieren können, kann so sehr viel stärker in den Hintergrund gedrängt werden. Aber auch das Erstellen eigener Assistenten – seien es nun GPTs in ChatGPT, Gems in Gemini oder Agenten in Mistral – nahm genauso mehr Raum ein wie das ausführliche Austesten von Literaturauswertungs- und -strukturierungs-Tools wie NotebookLM. Erfahrungen aus diesen Vertiefern flossen dann natürlich auch wieder in die zahlreichen Grundlagenworkshops zum Thema ein, wie ich sie u.a. an der LMU München oder der Universität Freiburg anbieten durfte.

Schließlich kamen aber auch die „klassischen“, inzwischen ebenfalls mit KI-Themen angereicherten Workshops nicht zu kurz; darunter ein ausführliches Veranstaltungsformat zum „Überarbeiten und Fertigstellen von Texten“ für die Jade Hochschule und ein weiterer Workshop zum „Entwickeln und Schreiben von Drittmittelanträgen“. Nun freue ich mich erstmal auf einige stille Tage „zwischen den Jahren“, vor allem aber auch auf die kommenden Workshops im Jahr 2026. Ich bin überzeugt: Das Thema „Schreiben“ und die Entwicklungen im KI-Bereich bleiben spannend. Auch im neuen Jahr wird es ganz viel Neues geben, das meine Workshops bereichern und sich mit Altbewährtem verbinden wird.

Ein Roboter mit Aktentasche illustriert, dass es in den Workshops um KI im Forschen und Schreiben, aber auch um klassische Schreibwerkzeuge geht

Drei volle Tage Drittmittelanträge entwickeln und schreiben: Ein Workshop an der Bauhaus Universität Weimar

Drei ganze Tage für das Thema „Drittmittelanträge entwickeln und schreiben“ – intensiver, ergiebiger und gewinnbringender kann es kaum sein. Das jedenfalls ist mein Fazit aus einem Präsenz-Workshop an der Bauhaus Research School der Bauhaus Universität Weimar.

Von der Frage, wie erste Ideen für Projektanträge entwickelt und zu tragfähigen Forschungsfragen ausgearbeitet werden können über die Auskonturierung der verschiedenen Antragsbausteine bis hin zu Schreib- und Überarbeitungsstrategien stand uns für jede Facette des Antragsgeschäfts ausreichend Zeit zur Verfügung. Auf Papier und am Rechner wurden Forschungsprojekte schrittweise entworfen und erste Textbausteine ausgearbeitet, Abstracts verfasst und Arbeitspläne gestrickt. Mehr als hilfreich war immer auch der Austausch untereinander. Im Workshop und in den gemeinsamen Pausenzeiten konnten alle von ermutigendem Peer-to-Peer-Feedback profitieren und Best-Practice-Beispiele austauschen.

Am Ende blickten die Teilnehmenden nicht nur auf drei motivierende Tage zurück. Auch die Anträge selbst hatten mehr und mehr Gestalt angenommen und können nun in die finale Ausarbeitung gehen. Gedrückte Daumen und alles Gute dafür!

Die Zahl drei steht für den dreitägigen Workshop zum Schreiben von Drittmittelanträgen.

Ein Sommer der Vielfalt: Das Workshop-Programm der letzten Monate

Vielfältiger konnte der Sommer kaum sein. Das Workshop-Programm der vergangenen Wochen steckte jedenfalls voller Überraschungen, war bunt und vielseitig – mit altbewährten Kursen einerseits, aber auch neuen Schwerpunkten und viel Kreativem andererseits. Grundlagenkurse zu KI und zu Einsatzmöglichkeiten von KI für das wissenschaftliche Schreiben und Arbeiten zogen sich auch jetzt wieder wie ein roter Faden durch mein Workshopprogramm – mit Veranstaltungen u.a. für das Programm Fit@EUF der Europa-Universität Flensburg, für die Universitätsmedizin der Charité Berlin und für das Klinikum der Universität München.

Ganz anders gelagert war dann der Schwerpunkt eines Kurses, den ich für das Projekt InCamS@BI – Innovation Campus for Sustainable Solutions der Hochschule Bielefeld angeboten habe. Hier ging es vor allem darum, die Potentiale von KI für kreative Problemlösungen auszuloten. Über zwei Halbtage hinweg wurde deutlich, wie KI als Impulsgeberin und Sparringspartnerin eingesetzt werden kann und so das eigene Forschen, Denken und Schreiben voranzutreiben vermag.

In einem viertägigen Workshop zum kreativen Schreiben ging es aber auch wieder völlig KI-frei zu. „Sich Kunst erschreiben: Münchner Kuntgeschichte(n)“ hieß ein Format im Rahmen des von der Münchner Volkshochschule organisierten Münchner Kunstsommers. Dabei inspirierte uns die unglaublich facettenreiche Kunst der Münchner Museen zum Schreiben ganz unterschiedlicher Texte. Ausgehend von den Bildern des Blauen Reiters entstanden expressionistische Gedichte, während uns die wunderkammerartigen Räume des Bayerischen Nationalmuseums zu fantasievollen Erzählungen aus dem Blickwinkel von Ritterrüstungen, porzellanenen Trinkstiefeln und barocken Gartenskulpturen anregten. Den Schlusspunkt setzte dann ein Besuch in der Pinakothek der Moderne. Hier entstanden kleine Kriminalgeschichten, surrealistische Miniaturen und nachdenklich-gesellschaftskritische Essays. Alles in allem Inspiration pur – ganz ohne Technik und nur mit Stift und Papier!

Eine Sonne steht symbolisch für die Workshops der Sommermonate.

Zeit für KI: Ein Workshop am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München

Das Beeindruckende an KI ist oft die Geschwindigkeit, mit der sie arbeitet. Nachdem der Prompt rausgeschickt ist, dauert es nur Sekunden, bis wir eine Antwort bekommen. Informationen in Textform können im Handumdrehen in Bilder, Diagramme oder sogar kleine Videos umgewandelt werden. Und selbst eine tiefere Recherche im Netz mit so genannten Deep-Research-Funktionen liefert schon nach wenigen Minuten Ergebnisse, die beeindruckend ausführlich sind und auf eine Vielzahl an Websites zurückgreifen.

Trotzdem aber braucht KI auch Zeit. Es braucht Zeit, zu verstehen, wie die Tools arbeiten und wie wir sie dementsprechend verwenden wollen. Es braucht Zeit, die Unterschiede zwischen einem „normalen“ Sprachmodell, Reasoning- und Canvas-Funktionen zu erkunden. Und es braucht Zeit, die Vielfalt der Sprachmodelle und KI-Anwendungen für das wissenschaftliche Forschen und Schreiben ausführlich zu testen, um dann Entscheidungen über die sinnvolle Einbindung in individuelle Workflows treffen zu können.

Weil die Beschäftigung mit KI Zeit, Muße und Augenmaß braucht, war es besonders schön, mit einem anderthalbtägigen englischsprachigen Workshop am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München zu Gast zu sein – eine großartige Gelegenheit, KI in all ihren Facetten zu erkunden und sich ausführlich über Beobachtungen, Fragen und Ideen zum sinnvollen Umgang mit KI auszutauschen. „Tempo rausnehmen, um sich nicht von der bloßen Geschwindigkeit blenden zu lassen“ war ein Motto, das uns durch diese spannenden Tage begleitet hat.

Das Bild einer Achterbahn symbolisiert die Geschwindigkeit, mit der KI arbeitet.

Workshops, in denen Bewegung ist. Eine Fortbildung unter dem Dach der gefsus

Wer kennt das nicht: Man gibt sich als Peer Tutor:in oder Lehranfänger:in die allergrößte Mühe. Aber die Teilnehmer:innen wollen nicht wirklich mitmachen, und der Verlauf der Lehrveranstaltung gestaltet sich zunehmend zäh. In einer Fortbildung, die ich für die Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung e.V. (gefsus) anbieten werde, wird es darum gehen, wie Peer Tutor:innen und Lehrende an Schreibzentren (Lehr-)Veranstaltungsteilnehmer:innen bestmöglich aktivieren können. Im Vordergrund wird dabei eine Reihe schreibbasierter Unterrichtstechniken stehen, die zum einen zum Mitarbeiten und Mitmachen anregen, zum anderen aber auch darauf angelegt sind, die Schreibkompetenz von Teilnehmer:innen schon in den Veranstaltungen selbst zu fördern.

Gebucht werden kann die Fortbildung über die Website der gefsus.

Das Bild einer Party symbolisiert einen lebendigen Workshop, in dem die Teilnehmenden engagiert mitmachen.

Viel Neues in den letzten Wochen

Bewegte und spannende Wochen liegen hinter mir, in denen viel passiert ist. Darunter das Jahrestreffen der SIG (Spezielle Interessensgruppe) „Schreibberatung für Promovierende“ der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung (gefsus), diesmal mit vielen lieben Kolleg:innen hier in München – dank einer Hybridlösung aber zugleich auch deutschlandweit. Interessante Themen hatten wir uns vorgenommen, die wichtige Impulse in unser Arbeiten bringen. Die Spannbreite reichte von einem Input zu Coaching und Coachingabläufen über ein kritisches Nachdenken über Schreibtypen-Zuschreibungen bis hin zu einem Best-Practice-Austausch zum Thema „Umgang mit heterogenen Gruppen“. Und in Online-Workshops, u.a. für die Humboldt Universität Berlin und die Hochschule Fulda, ging es erneut um KI, aber auch um so ein wichtiges Thema wie „Texte überarbeiten und fertigstellen“ – auf das die Arbeit an der Dissertation dank der richtigen Werkzeuge, Methoden und ganz viel Motivation in die Zielgerade einbiegen kann. Jetzt freue ich mich darauf, schon bald wieder am Graduate Center der Universität München zu Gast sein zu dürfen. Der Kurs „Scientific Research and Writing with AI“ kann von Promovierenden der LMU gebucht werden.

Sprechblasen symbolisieren das Treffen mit Kolleginnen zum Thema Schreibberatung für Promovierende

Wissenschaftlich Lesen und Schreiben an der Ostseeküste

Riesig gefreut hat es mich, dass ich wieder mit zwei Präsenzworkshops an der Europa-Universität Flensburg zu Gast sein durfte. Neben der natürlich immer wieder hochgradig spannenden Frage, wie sich KI sinnvoll und reflektiert in den Forschungs- und Schreibprozess integrieren lässt, ging es dort auch einen ganzen Tag lang um das Thema „Schreibend lesen“. Wie lassen sich wissenschaftliches Lesen und Schreiben möglichst früh miteinander verschränken? Wie kommt man schnell vom Lesen in ein erstes Schreiben? Welche Methoden und Werkzeuge gibt es, um Literatur zu strukturieren? Und wie können in der Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Texten auch die eigenen Positionen artikuliert und zum Ausdruck gebracht werden? Regelrecht halsbrecherisch wurde es dann, als wir Speed-Reading-Techniken ausprobiert haben. Denn nur, wer beim Lesen wirklich Tempo machen kann, wird nicht in der immer umfangreicher werdenden Flut an Literatur untergehen. Es war ein tempo- und inhaltsreicher Workshop in der nördlichsten Stadt Deutschlands, der großen Spaß gemacht hat!

Eine Rallye-Fahne steht symbolisch für das Thema Speedreading im Workshop "Lesend Schreiben"

Das neue Jahr beginnt spannend!

Der Januar beginnt gleich mit einer Reihe spannender Workshops. Nachdem ich mit der Hochschule Bielefeld und dem Klassiker „Wissenschaftliches Forschen und Schreiben mit KI“ ins neue Jahr gestartet bin, geht es in den kommenden Tagen mit dem Thema „Drittmittelanträge schreiben“ weiter.
Gemeinsam mit Promovierenden und Postdocs der Jade-Hochschule Wilhelmshaven werde ich in einem ersten Workshop der Frage nachgehen, wie KI auch in diesem Bereich unterstützen kann, ohne dass wir als Antragstellende das Heft des Handelns oder die Verantwortung für unsere Antragstexte aus der Hand geben. Neben den Sprachmodellen selbst, die mit Canvas- und Reasoning Modes immer besser werden, werden uns hier natürlich auch viele hilfreiche (neue) Tools beschäftigen. Gerade mit Blick auf die KI-gestützte inhaltliche Recherche und für die Auswertung, Strukturierung und Systematisierung von Literatur hat es in den letzten Wochen und Monaten einige hervorragende Neuveröffentlichungen gegeben. Gemeinsam werden wir ausloten, worüber im Zuge eines Antragsprozesses nachgedacht werden sollte, wie sich ein zielführender Workflow etablieren lässt und an welchen Stellen KI dabei unterstützen kann.

Zum wiederholten Mal bin ich außerdem bei der Stiftung des deutschen Wirtschaft (sdw) zu Gast. Hier wird es um die klassischen Themen „Ins Schreiben kommen und im Schreibfluss bleiben“ sowie „Die Dissertation überarbeiten und fertigstellen“ gehen. Dabei werden wir einen reich bestückten Werkzeugkoffer des Schreibens kennenlernen und ausprobieren – vom bewährten Freewriting über Möglichkeiten des Überarbeitens mit Storyboard-Methode und Mission Statements bis hin zu hilfreichen KI-Tools. Ich freue mich schon jetzt sehr auf spannende und anregende vier Halbtage!

Bewegte Pfeile symbolisieren den Start ins neue Jahr: Mit den Workshops "Drittmittelanträge KI-unterstützt erarbeiten", "Ins Schreiben kommen und im Schreibfluss bleiben" und "Die Dissertation überarbeiten und fertigstellen"

Forschen, Schreiben und KI im neuen Jahr

Auch im neuen Jahr geht es weiter mit dem spannenden Thema Forschen, Schreiben und KI. Gerade in den letzten Wochen ist hier nochmal ganz viel passiert: Neue oder um viele hilfreiche Funktionen erweiterte Tools sind dazu gekommen, erste Schritte in Richtung selbstständiger KI-Agenten wurden unternommen und die KI-gestützte Auswertung und Systematisierung von Literatur ist stark verbessert worden. Grund genug für weitere Workshops zum Thema, beginnend mit einem Online-Format für die Hochschule Bielefeld im Januar.

Das Bild steht für die weiteren Kurse im neuen Jahr (KI Workshops, Workshops zum wissenschaftlichen Schreiben)
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